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Historisch gesehen, haben Katzen eine sehr zwiespältige Rolle in der menschlichen Gesellschaft gespielt. In manchen Kulturen als wohltätige Götter verehrt, wurden sie in anderen, zumal im christlichen Abendland, als Werkzeug des Bösen verteufelt. In den letzten 150 Jahren hat sich unser Verhältnis zu den Katzen drastisch gewandelt. Sie werden zwar in der Literatur und Kunst zuweilen noch immer mit Hexerei und Unmoral assoziiert. Aber in der Werbung und Unterhaltungsbranche von Heute verkörpert die Katze vor allem Sinnlichkeit und Eleganz.
Das es ihr gelungen ist, den Hund in vielen Ländern als beliebtestes Haustier des Menschen vom ersten Platz zu verdrängen, ist ein Zeichen der Faszination, die sie auf empfängliche Gemüter ausübt. Eine alte Überlieferung besagt, dass Katzen das Wetter beeinflussen können, was vielleicht von der älteren Assoziation mit der Fruchtbarkeit herrührt. In Kambodscha gibt es zum Beispiel einen uralten Brauch, zu dem gehört, dass man eine Katze von Dorf zu Dorf trägt, wo sie jedes Mal mit Wasser besprengt wird, damit Indra, der wedische Gewitter- Gott, den für eine gute Ernte notwendigen Regen schickt. In Europa, und nicht nur dort, sagt eine Katze mit einer Pfote hinter dem Ohr angeblich Regen voraus. Untersuchungen haben ergeben, das darin ein Körnchen Wahrheit steckt. Denn die Luftveränderungen vor einem Sturm könnte auf die Ohren der Katze einwirken und sie veranlassen, sich in der Ohrengegend zu kratzen.
Noch einige andere Wettervorhersagen leiten sich vom Verhalten her. Eine Katze, die schnurrt und sich die Nase reibt, bedeutet schönes Wetter, während Gähnen auf Regen hindeutet.
Der landläufige Aberglaube, das eine Katze wegen ihrer erstaunlichen Zähigkeit, hat seinen Ursprung vermutlich im alten Ägypten, wo die Zahl neun eine magische Zahl war. Diese Vorstellung kam später wieder zu tragen, als im 17. Jahrhundert Anklagen wegen Hexerei gang und gäbe waren. Eine Hexe konnte, so meinte man, neunmal die Gestalt einer Katze annehmen, und folglich konnte auch eine Katze neunmal wiedergeboren werden.
Im Gegensatz zu Europa hat China die Misshandlung von Katzen niemals zugelassen. Möglicherweise deshalb, weil der Aberglaube den Katzen die Macht zuschrieb, sich nach dem Tod an ihren Mördern zu rächen.(Ein wünschenswerter Aberglaube auch für die heutige Zeit.)
Alle Sprachen sind reich an Katzensprichwörtern und Redensarten, von denen sich viele auf menschliche Verhaltensformen übertragen lassen. Die folgende Auswahl zitiert nur einige wenige aus hunderten von Beispielen. Aus Spanien: “Eine Katze mit Handschuhen kann keine Mäuse fangen“. Aus Italien: „Alte Katzen bedeuten junge Mäuse“. Aus den Niederlanden: „Ein Mann, der keine Katzen mag, bekommt nie eine hübsche Frau“. Aus England: „Neugier ist der Katze Tod“. Und aus Russland: „ Eine Katze und eine Frau gehören ins Haus, ein Mann und ein Hund gehören aufs Feld“. Nicht nur in Sprichwörtern sondern auch in zahlreichen bildlichen Ausdrücken finden wir die Katze wieder: „Katzengold“, “Katzenbuckel, “Katzenwäsche, Katzentisch“, “Naschkatze usw. Ein deutsches Sprichwörterlexikon verzeichnet über 1000 Sprichwörter und Redewendungen, in denen eine Katze vorkommt. Viele schöpferische Menschen haben sich von ihren Katzen inspirieren lassen, und die Dichter sind da keine Ausnahme. Der englische Künstler um Humorist Edward Lear (1812-1888) verewigte seinen vielgeliebten Haustier Foss in dem berühmten Gedicht „ Die Eule und die Pussikatze“. Er illustrierte seine Werke mit einfachen Strichzeichnungen, die ungemein modern anmuten. Ein anderer passionierter Katzenliebhaber, T. S. Eliot (1888-1965), hat sich von seinen zahlreichen Hausgenossen zu den 14 langen Gedichten von „ Old Possums Katzenbuch“ anregen lassen. Jedes Gedicht ist ein Spiel mit der englischen Sprache. Das in der Übersetzung kaum wiederzugeben ist. Eliot verleiht seine Katzen menschliche Züge, doch es gelang ihm, das Wesen der Katzen zu bewahren. In Deutschland haben wir bekannten und weniger bekannten Dichtern wie Theodor Sturm, Eduard Mörike und Wilhelm Hey reizvolle kindertümliche Katzengedichte zu verdanken, die früher ganz selbstverständlich zum Bestand der Lesebücher gehörten.
Eine Katze ist eine ideale Vertraute, was vielleicht der Grund dafür ist, das so viele Staatsoberhäupter – insbesondere amerikanische Präsidenten- Katzen gehalten haben. Abraham Lincoln (1809-1865) brachte aus dem Bürgerkrieg drei arg heruntergekommene Katzen mit nach Washington. Slippers, die Katze von Theodore Rossevelt (1858-1919), nahm regelmässig an festlichen Dinnern im Weissen Haus teil. Die „ First Cat” von Präsident Clinton heisst Socks weil sie vier weisse „Söckchen“ hat . Der offizielle Wohnsitz der britischen Premierminister, 10 Downing Street, hat eine Reihe von Katzen erlebt. Sir Winston Churchill (1874-1965) war als Katzenliebhaber bekannt, und Jock, sein letzter Kater, wurde sogar von ihm im Testament bedacht. Die Gesellschaft berühmter Katzenliebhaber umfasst noch viele andere Persönlichkeiten, von Königen und Religionsführern bis zu Schriftstellern, Dichtern und Künstlern. Als ein Reporter den Schweizer Maler und Bildhauer Alberto Ciacometti (1901-1966) fragte, welches Meisterwerk er aus dem Feuer retten würde, antwortete er: „das hängt davon ab, was in meinem Haus ist. Wären es meine Katze und meine Werke, dann würde ich die Katze retten. Das Leben einer Katze ist wichtiger als die Kunst. Solche Äusserungen von Prominenten haben sehr zur Aufwertung der Katze beigetragen“.
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